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ÜbersichtJacqueline Schwartz, Yann-Nicolas Batzler und Martin Neukirchen, Düsseldorf

Psychopharmakotherapie in der Palliativmedizin

Klinisch relevante Probleme aus Sicht der Palliativmedizin

In der Palliativmedizin gehört der Einsatz von Psychopharmaka zum klinischen Alltag. Palliativmedizin ist durch eine ganzheitliche Symptomerfassung sowie Symptomkontrolle gekennzeichnet mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensqualität. Auf der psychischen Ebene stehen vor allem Angst und Unruhe, Depressionen sowie Delir im Vordergrund. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über typische medikamentöse Therapien dieser Beschwerden bieten.
Schlüsselwörter: Palliativmedizin, Delir, Angst, Depression
Psychopharmakotherapie 2023;30:40–6.

FlaggeEnglish abstract

Psychopharmacotherapy in palliative medicine. Clinically relevant problems from the perspective of palliative care medicine

In palliative care psychotropic drugs are frequently used. Palliative care is defined by a holistic approach in determining symptoms and controlling those symptoms. Symptoms are assessed and treated on somatic, psychic, spiritual and social dimensions. The goal is to ameliorate quality of life. On the psychic level symptoms such as anxiety and agitation, depressions and delirium are frequent. This review aims to give an overview over the common medications used treating those conditions from the perspective of palliative care. It is important to note that treatments are embedded within a multiprofessional approach through specially trained physicians, nurses and psychologists.

Key words: Palliative care, delirium, anxiety, depression

Seite 47 - 53
ÜbersichtSimon Faissner und Ralf Gold, Bochum

Stufentherapie der multiplen Sklerose

Die multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, die zu Demyelinisierung, axonalem Schaden und Neurodegeneration führt. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene neue Substanzklassen und Wirkweisen eingeführt, die mittlerweile zu der komfortablen Situation führen, dass man aus fast 20 MS-Therapien für verschiedene Erkrankungsformen und unterschiedliche Verlaufsformen sowie Schweregrade auswählen kann. Dies führt zu einer immer komplexer werdenden Therapielandschaft mit der schwierigen Frage, in welcher Sequenz Immuntherapien gegeben werden sollten. Hier stehen sich insbesondere die Konzepte einer Eskalationstherapie und einer Behandlung entsprechend der Vorstellung „hit hard and early“ gegenüber. Auch die Deeskalation bzw. das Absetzen von Immuntherapien sind Gegenstand aktueller Diskussionen. In dieser Übersichtsarbeit werden wir den aktuellen Wissensstand zur Stufentherapie der MS erörtern und einen Wegweiser für die Umsetzung im praktischen Alltag liefern.
Schlüsselwörter: Multiple Sklerose, Eskalationstherapie, hit hard and early, Neuroprotektion, Progression
Psychopharmakotherapie 2023;30:47–53.

FlaggeEnglish abstract

Therapeutic algorithms of multiple sclerosis

Multiple sclerosis (MS) is a chronic inflammatory disease of the central nervous system leading to demyelination, axonal damage and neurodegeneration. In recent decades, several new classes of compounds and modes of action have been introduced, which now lead to the comfortable situation of being able to choose from almost 20 MS therapies for different disease courses and severities. This situation leads to an increasingly complex therapeutic landscape with the difficult question in which sequence immunotherapies should be administered. In particular, the concepts of escalation therapy and treatment according to the notion of „hit hard and early“ interact with each other. De-escalation or discontinuation of immunotherapies are also subject of current discussions. In this review we will discuss the current state of knowledge on stepwise therapy of MS and provide a guide for its implementation in daily practice.

Key words: Multiple sclerosis, escalation therapy, hit hard and early, neuroprotection; progression

Seite 54 - 62
ÜbersichtDominik Dabbert, Bremen, Gabriel Eckermann, Berlin, Christoph Hiemke, Mainz, Wolfgang Paulus, Ulm, Sermin Toto, Hannover, Monika Singer, Agatharied, Renate Grohmann, München, Stefan Bleich und Johanna Seifert, Hannover

Prolactin-erhöhende Antipsychotika und Mammakarzinom

Was wissen wir aktuell, wie können wir damit umgehen?

Das Mammakarzinom ist eine häufige Erkrankung bei Frauen mit einer Lebenszeitprävalenz von 12,3 %. Das Risiko hierfür kann durch hormonelle Einflüsse, zum Beispiel eine erhöhte Serumprolactin-Konzentration, steigen. Die Neigung von Antipsychotika, aufgrund ihres Dopamin-D2-Rezeptorantagonismus eine Erhöhung der Serumprolactin-Konzentration zu bedingen, ist gut bekannt. In einigen Studien, so wie auch in einer großen Fall-Kontroll-Studie von den skandinavischen Kollegen um Heidi Taipale aus dem Jahr 2021, wird auf den Zusammenhang zwischen der Auswahl der antipsychotischen Medikation und erhöhtem Risiko der Entwicklung eines Mammakarzinoms aufmerksam gemacht. Diese Thematik soll anhand der vorliegenden Studienlage näher untersucht werden. Zudem sollen die pathophysiologischen hormonellen Ursachen erläutert werden. Der folgende Artikel soll einen Überblick über den gesicherten Kenntnisstand des Antipsychotika-assoziierten Brustkrebsrisikos, Aspekte zur Interpretation und therapeutische Konsequenzen für den klinischen Alltag in Bezug auf Auswahl der antipsychotischen Medikation sowie auch Monitoring geben. Insgesamt erscheint unter einer antipsychotischen Pharmakotherapie das absolute Brustkrebsrisiko von Frauen, die an einer Schizophrenie erkrankt sind, um ca. 2,2 % erhöht zu sein.
Schlüsselwörter: Prolactin, Brustkrebs, Tumor, Arzneimitteltherapiesicherheit, Schizophrenie
Psychopharmakotherapie 2023;30:54–62.

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Prolactin-increasing antipsychotic drugs and breast cancer – the current state of knowledge and clinical implications

Among females, breast cancer has a lifetime prevalence of 12.3 %. The risk of breast cancer underlies hormonal influences. In so, increased serum prolactin concentrations may increase the risk of breast cancer. The propensity of antipsychotic drugs to cause an increase in serum prolactin concentrations due to their dopamine D2 receptor antagonism is well established. Some studies, such as a recent case-control study by Scandinavian colleagues led by Heidi Taipale from 2021, have drawn attention to the association between the use of certain antipsychotic drugs and an increased risk of developing breast cancer. In the following review, this topic will be further explored using the studies currently available. In addition, the pathophysiological hormonal causes will be explained. Our aim is to provide physicians with an overview of the risk of breast cancer associated with antipsychotic drug use according to the current state of knowledge as well as provide implications for clinical practice regarding choice of antipsychotic drugs and guidelines for an appropriate monitoring. Overall, we conclude that treatment with antipsychotic drugs increases the absolute risk of breast cancer by approximately 2.2 % in women who suffer from schizophrenia.

Key words: prolactin, breast carcinoma, tumor, drug safety, schizophrenia

Seite 63 - 69
Referiert & kommentiertProf. Hans-Christoph Diener, Essen

Amyotrophe Lateralsklerose

Mögliche protektive Effekte von Lovastatin: pharmakoepidemiologische und tierexperimentelle …

Mit einem Kommentar des Autors
In einer Datenbankanalyse von Medicare in den USA ging die Einnahme von Lovastatin mit einem reduzierten ALS-Risiko beim Menschen einher. In einem ALS-Mausmodell führte Lovastatin zu einem verzögerten Symptomausbruch, zu verlängertem Überleben und besserem Erhalt der Motoneuronen. Es sind aber weitere Studien zum Verständnis des potenziellen Wirkungsmechanismus erforderlich. Die Studien zeigen den potenziellen Nutzen eines kombinierten pharmakoepidemiologischen und tierexperimentellen Ansatzes.

Seite 63 - 69
Referiert & kommentiertProf. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Multiple Sklerose (MS)

Schwangerschaftsergebnisse nach früher fetaler Exposition gegenüber DMF oder Natalizumab

Mit einem Kommentar des Autors
Im dänischen MS-Register fand sich bei Auswertung von 1009 Schwangerschaften mit fötaler Exposition gegenüber Interferon beta, Glatirameracetat, Dimethylfumarat (DMF) oder Natalizumab kein Zusammenhang mit unerwünschten Schwangerschaftsausgängen im Vergleich mit Schwangerschaften von Frauen mit MS ohne immunmodulatorische Therapie oder aus der allgemeinen Bevölkerung.

Seite 63 - 69
Referiert & kommentiertProf. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Morbus Parkinson

Deferipron zur Therapie der frühen Parkinson-Krankheit

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Patienten mit M. Parkinson im Frühstadium, die noch nie Levodopa erhalten hatten, und bei denen eine Behandlung mit dopaminergen Medikamenten aktuell geplant war, war der Eisenchelator Deferipron über einen Zeitraum von 36 Wochen mit schlechteren Werten bei der Messung der Beeinträchtigung durch die Krankheit verbunden als die Placebo-Gruppe.

Seite 63 - 69
Referiert & kommentiertProf. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Schmerztherapie

Wirksamkeit von Antidepressiva zur Therapie chronischer Schmerzen bei Erwachsenen

Mit einem Kommentar des Autors
In einer Auswertung von systematischen Übersichtsarbeiten fanden sich Belege für die Wirksamkeit von Antidepressiva bei chronischen Schmerzen bei elf der 42 Vergleiche. Sieben der elf Vergleiche galten der Wirksamkeit von Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern. Bei den anderen 31 Vergleichen waren die Antidepressiva entweder unwirksam oder die Belege für die Wirksamkeit waren nicht schlüssig. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein differenzierterer Ansatz bei der Verschreibung von Antidepressiva bei Schmerzzuständen notwendig ist.

Seite 63 - 69
Referiert & kommentiertProf. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Delir

Haloperidol zur Behandlung des Delirs auf der Intensivstation

Mit einem Kommentar des Autors
Bei Patienten mit einem Delir auf der Intensivstation führte eine Behandlung mit Haloperidol nicht zu einer signifikant geringeren Anzahl von Tagen bis zum Tod oder bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus als die Behandlung mit Placebo.

Seite 63 - 69
Referiert & kommentiertSonja Zikeli, Tübingen

Delir nach Infektion

Antipsychotika-Absetzrate nach infektionsbedingtem Krankenhausaufenthalt

Ältere Erwachsene, die aufgrund einer schweren Infektion stationär behandelt werden müssen, entwickeln häufig ein Delir. Daher kommen nach einer infektionsbedingten Hospitalisierung meist auch Antipsychotika zum Einsatz. Wie häufig diese Arzneimittel nach Therapiebeginn wieder abgesetzt werden, haben die Autoren einer amerikanischen retrospektiven Kohortenstudie analysiert. Die Absetzrate in der Haloperidol-Kohorte war dabei höher als unter den Anwendern von Atypika.