Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux, Soyen/Waldkraiburg/München
Neben Burn out/Depression sind Schlafstörungen, chronische (psychosomatische) Schmerzen und „Stress“ die häufigsten Patientenbeschwerden in der Praxis. Regelmäßig wird die Verordnung von Cannabis gewünscht … Ein Update zur medizinischen Anwendung von Cannabis haben Dietmaier und Laux in der letzten PPT vorgestellt. Nach dem Vorliegen positiver randomisierter kontrollierter Studien dürfte in absehbarer Zeit ein „Psilocybin-Hype“ folgen. Medial ebenfalls stark propagiert werden im Zeitalter der Selbstoptimierung Medikamente zur Gewichtsreduktion.
Das vorliegende Heft beschäftigt sich mit entsprechenden Themenkreisen: Das dominierende Cannabis-Thema hat das neben der Tabak-Abhängigkeit häufigste Suchtproblem, die Alkoholabhängigkeit, verdrängt. Eine ambulante Therapie der (chronischen) Alkoholabhängigkeit findet leider in der Realität nicht statt. Psychologische Psychotherapeuten behandeln fast ausnahmslos keine Abhängigen, und pharmakotherapeutische Möglichkeiten werden nur selten genutzt: Laut Arzneiverordnungs-Report wird das zugelassene Alkoholentwöhnungsmittel Acamprosat trotz relativ guter Daten (Number needed to treat = 11) kaum verordnet. Die Pharmakotherapie der Alkoholabhängigkeit mit den drei zugelassenen Medikamenten skizzieren Wetterling et al. kritisch.
Übergewicht/Adipositas ist ein großes Thema. Glucagon-like Peptide-1(GLP-1)-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Liraglutid werden als Lifestyle-Medikamente zur Gewichtsreduktion zunehmend eingesetzt. Schoretsanitis et al. stellen die psychiatrischen Risiken, vor allem pharmakogene Depressionen und Suizidalität, in einem Diskussionsbeitrag vor.
Neben der „Prozac-Story“ ist Clozapin ein herausragendes Kapitel in der Psychopharmaka-Geschichte. Hasan und Wagner konstatieren, dass angesichts der hohen Wirksamkeit Clozapin zu selten eingesetzt wird, vor allem wegen des geforderten Monitorings bezüglich des Agranulozytose-Risikos. Eine Liberalisierung des Monitorings sei im Gang, so habe die European Clozapine Task Force 2025 eine Anpassung der Monitoring-Regeln vorgeschlagen. Relevanter seien andere Risiken bzw. Nebenwirkungen wie Myokarditis, Pneumonie und metabolische Störungen.
In der Versorgungsrealität ist die forensische Psychiatrie fast unbemerkt ins Rampenlicht gekommen: Gewalttaten, Amok- und Terrorattacken Radikalisierter erschüttern die öffentliche Sicherheit. In den Medien wird häufig von einer „psychischen Störung“ bei den Tätern berichtet. Im Fokus der forensischen Psychiatrie stehen die Aspekte Diagnostik, Verwahrung und Schutz sowie Rehabilitation und Prävention. Wie in Heft 11/2024 des Bayerischen Ärzteblattes ausgeführt, steht jetzt wissenschaftlich die Eruierung des Rückfallrisikos im Zentrum. Bei vielen Tätern ist die Diagnosestellung eine große Herausforderung – je nach Fall verkompliziert durch Sprachbarriere/Dolmetscher-Filter, kulturspezifische Störungen, komplexe Persönlichkeitsstörungen/Soziopathien, Fanatismus, unbehandelte Psychosen. Ein Teil der Täter war in psychiatrischen Kliniken, doch ohne Krankheitseinsicht war nach geltenden Verordnungsregeln keine Einstellung auf ein wirksames und gewaltpräventives (Depot-)Antipsychotikum möglich. In nicht wenigen psychiatrischen Kliniken („Zentren für seelische Gesundheit“) ist die forensische Psychiatrie die größte Abteilung – überbelegt, unterbesetzt. Hier liegt ein großes Aufgabenfeld auch für die Psychopharmakotherapie.
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